Die Teufarbeiten begannen Anfang 1884. Bereits 1885 wurde das Karbon
erreicht und bei 281 m die Wettersohle (1. Sohle) Der Schacht war Ende
1909 bis zur 2.Sohle (406 m) weiter geteuft worden. Da mit einer
Jahresförderung von 500.000 t Kohlen die Kapazität des Schachtes Victor
I. erschöpft war, wurde ein zweiter Förderschacht erforderlich. Am 1.
März 1894 wurde mit dem Teufen des Schachtes Victor II. begonnen. Im
Juli 1899 war der Schachtsumpf von 503 m nach 4,5 Jahren erreicht. 1876
wurde zur Aufnahme größerer Seilkräfte über Schacht Victor I. ein
Malakoff- Förderturm aus Ziegelstein gemauert, eine Hängebank errichtet,
eine Sieberei, eine Kohlenwäsche und eine Verladung. Mit dem Bau der
ersten Mannschaftskaue hatte man 1875 begonnen. Eine größere mit Brausen
ausgerüstete Kaue wurde 1892 fertig. Zur Aufnahme weiterer Arbeitskräfte
wurde die Mannschaftskaue 1898 um 500 Haken erweitert.
Um vom Markt unabhängig zu werden, nahm die Gewerkschaft Victor 1899
eine Ringofenziegelei in Betrieb. Die Ziegelproduktion diente dem
eigenen Bedarf für die Schachtmauerung, den Bau von Betriebsgebäuden und
den Bau von Siedlungen.
Während der
Weltwirtschaftskrise betrug der Produktionsausfall im Ruhrbergbau 40 %.
Wegen hoher Kohlenbestände wurden von 1930 bis 1932 insgesamt 26 Zechen
stillgelegt. Victor-Ickern musste die Förderung und die
Belegschaft um 50 % zurücknehmen. Bis 1933 wurden insgesamt 3000
Bergleute entlassen. Victor I/II hatte am 15. Februar 1932, bedingt durch die Weltwirtschaftskrise, die Kohlenförderung eingestellt. Schacht I hatte seit 1907
keine Kohlen mehr gehoben. Beide Schächte dienten künftig ausschließlich
der Wetterführung, Wasserhebung, Seilfahrt und der Materialförderung.
Die Kohlen einiger noch laufenden Streben gelangten über die 3. Sohle
nach Victor III/IV. In den vergangenen 56 Jahren förderte die
Schachtanlage Victor I/II, 21.990599 t Kohlen zu Tage.