Zum Entschluss eine
neue Schachtanlage anzulegen, hatte auch die Bestimmung des
Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats beigetragen. Ein
zusätzlicher Förderschacht mit Doppelförderung führte zur Erhöhung
der Förderquote. Die Anlage wurde in den westlichen Bereich der
Gemeinde Ickern gelegt, rund 2000 m von den Schächten Victor I/II
entfernt. Die Planung begann 1898 als die Fertigstellung des
Schachtes Victor II abzusehen war. Ende 1899 lag an der Ziegelei
Victor I/II eine Millionen Steine für die Schachtausmauerung und die
Errichtung einer Kolonie in Habinghorst bereit. Am 3. Oktober 1899
erfolgte der erste Spatenstich für den Schacht Victor III. Etwa
Anfang Mai 1900 stand der Schacht bei 260 m Teufe. Zur selben Zeit
war der Schacht auf der zweiten Sohle (393 m) von Victor I/II her
unterfahren worden. Durch große Wasserzuflüsse verzögerte sich das
erreichen der Karbonschicht. Erst Mitte Februar 1904 wurde die 2.
Sohle erreicht und bis zur Jahresmitte war der Schacht nach Einbau
von Einstrichen, Spurlatten usw. förderbereit. Ende 1904 nahm man
die Arbeiten zur Unterfahrung des Schachtes auf der 3. Sohle (481 m)
auf. Der Schacht wurde von der 2. Sohle weiter geteuft und
gleichzeitig von der 3. Sohle hoch gebrochen, ausgemauert und mit
Schachteinbauten versehen. Am 15. September 1905 war der Schacht
Victor III bis zur 3. Sohle einschließlich der Füllörter
betriebsbereit. Er nahm am 1. Oktober 1905 nach Übernahme von 900
Bergleuten von Victor I/II die Förderung und Seilfahrt auf.
Am 18. Mai 1901
erfolgte der erste Spatenstich für den Schacht Victor IV, 80
m östlich von Schacht III. Bis zum 15. September 1905 war Victor IV
auch mit der 3. Sohle durchschlägig. Wie bei Schacht III war von
einer Unterfahrungsstrecke der 3. Sohle aus mit einem Aufbruch dem
Teufen entgegengearbeitet worden. Mit dem Durchschlag konnte Schacht
Victor IV zwar sofort als Frischwetterschacht in Betrieb gehen, die
Erweiterung des Aufbruchs auf den Schachtdurchmesser von 5,5 m und
die Ausmauerung erfolgten jedoch erst bis 1907. Wegen des Ersten
Weltkrieges musste das Weiterteufen gestundet werden. Erst 1920
konnte Schacht Victor IV bis zur 4. Sohle (560 m) niedergebracht
werden. Nachdem 1910 der Lothringer Hütten-Verein Aumetz-Friede die
Gewerkschaft Victor und Ickern übernommen hatte, fiel die
Entscheidung die Tagesanlagen von Victor III/IV endgültig zur
Großschachtanlage auszubauen. Die Tagesanlagen Victor III/IV
erhielten bis 1913 im wesentlichen das bis zur Stilllegung gültige
Aussehen.